Warum wir Guttenberg nicht zurückwollen!

Es ist schon erschreckend, zu sehen, wie die deutschen Medien einhellig versuchen, einem Mann wieder zu Ansehen zu verhelfen, der noch vor keinen neun Monaten seine Glaubwürdigkeit komplett verloren hatte. Egal ob BILD, ZEIT oder SPIEGEL – sie alle stehen Spalier für die Rückkehr des “Plagiators”, wie er polemisch genannt wird. Die Skandale um ihn sollen vergessen, er hingegen wieder gesellschaftsfähig gemacht werden.

Rückblick:
Karl-Theodor zu Guttenberg war am 1. März 2011 von seinem Amt als Verteidigungsministers zurückgetreten, weil der Druck auf ihn aufgrund der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit zu groß geworden war. Sein Nachfolger wurde Thomas de Maizière.

Bei der Guttenberg-Affäre ging es allerdings nicht ausschließlich um seine “Doktorarbeit”, die sich als eindeutiges Plagiat herausgestellt hatte. Vielmehr war es so, dass der damalige Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland mehrfach die Medien und Bundesbevölkerung bewusst in die Irre geführt und damit seinen Amtseid gebrochen hat.

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

So lautete der Amtseid, den Guttenberg am 28. Oktober 2009 leistete. Warum er dieses Eid mehrfach bewusst gebrochen hat, werde ich im Folgenden erläutern:

1. Guttenberg behauptete, dass ihn “Erfahrung in der freien Wirtschaft, die er in seinem Familienunternehmen gesammelt hat”, für das Amt des Wirtschaftsminister prädestiniert habe.
Tatsächlich bestand dieses “Familienunternehmen” aus lediglich drei Angestellten, deren alleinige Aufgabe es war, das Familienvermögen der Familie Guttenberg zu verwalten. Mehr Wirtschaftserfahrung konnte Guttenberg nicht vorweisen, wie der folgende Beitrag von ZAPP zeigt:

2. Die bekanntgewordenen Vertuschungsversuche in der Kunduzaffäre, bei denen Guttenberg die Medien und den Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages nachweislich bewusst getäuscht hatte, sprechen ebenfalls gegen Guttenbergs Vertrauenswürdigkeit.
Zwar hatte er “dem Parlament größtmögliche Offenheit und Transparenz zugesagt” und wollte außerdem “alles was mir an Unterlagen gegeben ist, dazu beitragen, damit dieser Untersuchungsausschuss auch zu anständigen Ergebnissen kommt.”
Doch davon war später nur noch wenig zu sehen: Akten wurden vom Verteidigungsministerium gezielt zurückgehalten und stark verzögert ausgestellt. Auch Guttenberg selbst hatte daran maßgeblichen Anteil, verhinderte und verzögerte damit die Arbeit des Untersuchungsausschusses, wie diese Kontraste-Recherche eindrucksvoll belegt:

3. Die Steuerung der Entscheidungen des Verteidigungsministers bei der Entlassung des Gorch Fock-Kapitäns Schatz durch die BILD-Zeitung zeigt einen Bundesminister, der einem Boulevard-Blatt nach der Pfeife tanzt, ohne die Fakten selbst überprüft zu haben. Dies verdeutlicht der folgende Bericht von report:

4. Die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit führte damals zu Guttenbergs Rücktritt. Dass er “nicht bewusst” getäuscht hat, entspricht offensichtlich nicht der Faktenlage. Zu diesem Schluss kam auch die Universität Bayreuth, die Guttenberg den Doktortitel am 23. Februar 2011 entzog. Allein die Tatsache, dass ganze Absätze komplett übernommen und nur kleine Wörter leicht abgeändert wurden, zeigte, dass bewusst getäuscht wurde. Besonders pikant, dass sogar die Einleitung seiner Doktorarbeit plagiiert wurde.

Dazu noch einmal die Worte von Prof. Dr. Oliver Lepsius von der Universität Bayreuth:

Zu erwähnen ist ebenfalls noch das Verhalten Guttenbergs gegenüber den Hauptstadtjournalisten. Guttenberg hatte damals nur vor einigen ausgewählten Journalisten eine kurze Stellungnahme zu den Plagiatsvorwürfen abgegeben, ohne die restlichen Reporter mit einzubeziehen. Eine Informationspolitik, die nicht nur von zahlreichen Journalisten scharf kritisiert wurde.

5. Hinzu kommen noch Guttenbergs inszenierten Afghanistanreisen (u.a. mit seiner Frau und J.B. Kerner), bei denen er laut seiner Kritiker sein Image auf Kosten der Soldaten aufzupolieren versuchte. Sein Interesse am Leben der Soldaten sei geheuchelt gewesen, denn anstatt sie sofort aus dem Afghanistankrieg zurückzuziehen, setzte er sie damals für mindestens für ein weiteres Jahr den Bedrohung aus, verletzt oder getötet zu werden.

Diese Punkte sprechen dagegen, dass Karl-Theodor zu Guttenberg jemals wieder ein politisches Amt bekleiden sollte. Ein Mensch, der seinen Amtseid mehrfach bricht und nachweislich die gesamte deutsche Öffentlichkeit belogen hat, hat keine Legitimation dazu, das Volk zu vertreten.
Schon gar nicht als zukünftiger Bundeskanzler…

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Buchempfehlung zum Thema:

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“Das Guttenberg-Dossier” von Friederike Beck ist für 16,90€ erhältlich.

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15 Antworten zu Warum wir Guttenberg nicht zurückwollen!

  1. propagandix schreibt:

    In der Tat ist es erst unglaubliche 9 Monate her, dass wir in der Causa Guttenberg zum Ablass aufgerufen hatten:
    http://meine-krise.de/cgi-bin/weblog_basic/index.php?m=201102
    Das diese Ablasszahlung nun so erbärmlich schäbig ausgefallen ist, wirft nur einen weiteren Schatten auf unser Rechtssystem und -verständnis. Man wird noch sehen, was uns dieser so aalglatt „geläuterte Sünder“ noch so alles bescheren wird.

  2. Nemo schreibt:

    Echte Sauerein! Vielen Dank für die gute Zusammenfassung..
    Hier Frau Beck im Interview beim Benesch:
    http://infokrieg.tv/wordpress/2011/08/16/iktv-am-16-august-mit-den-gasten-friederike-beck-und-wojna-die-bandbreite/

  3. Nemo schreibt:

    Ach ja, wenn TRS mal so was wie ein “Fantreff” in München machen will, stell ich mein schönes Atelier gerne zur Verfügung mit Minibar und gutem Sound..

    • TheRealStories schreibt:

      Ich danke dir für dieses schmeichelhafte Angebot, allerdings wäre es mir nicht recht, mich persönlich durch ein “Fantreffen” so in den Vordergrund zu schieben. Mir geht es um Informationen und darum, meine Mitmenschen zum kritischen Denken anzuregen – nicht darum, mich persönlich hervorzutun.
      Sollte ich jedoch mal eine Veranstaltung in München planen, komme ich sehr gerne auf das Angebot zurück! :-)

  4. Europium schreibt:

    Oh nein, wie schlimm! Der Amtseid wird täglich in hundertfacher Ausführung von allen Möglichen Pöstchen im BRD-Selbstbedienungsgeladen gebrochen und da regt sich niemand auf? Man betrachte z.B. nur mal den lieben Herrn Schäuble dessen Dreistigkeits beim Dauereidsbruch ist kaum noch zu überbieten. Dann lieber Guttenberg!!!

    • TheRealStories schreibt:

      Ich verstehe diesen Doppelstandard nicht. Jeder andere Politiker hätte dafür, dass er wiederholt so dreist lügt, sein Ansehen komplett verloren.
      Aber bei Guttenberg… “Nein, der ist doch so sympatisch. Der kann ja gar nicht schuldig sein. Der tut einem so leid.”

      Ich finde, dass jemand, der das Volk so hintergeht, dieses nicht als Politiker repräsentieren sollte.
      Und Guttenberg will von Betrug und Vorsatz ja immer noch nichts wissen…

  5. Dieter W. schreibt:

    Wo versuchen die deutschen Medien denn einhellig, Gutteberg wieder zu Ansehen zu verhelfen?
    Mit welchem Artikel hat der SPIEGEL denn Spalier gestanden für Guttenbergs Rückkehr? Oder ist jede Erwähnung, selbst bei starker inhaltlicher Kritik am Erwähnten, schon Spalier stehen? Zeigt mir doch mal Artikel aus großen Zeitungen – außer der BILD und der ZEIT -, die Guttenbergs Rückkehr, so wie er, Guttenberg, sie momentan vorbereitet, begrüßen. Ich habe beim Google-News abgrasen und Twitter-verfolgen keine gefunden, behaupte aber auch nicht, die gesamte Presse durchgearbeitet zu haben. Aber FAZ, FR, SZ, WELT, SPIEGEL, Tagesspiegel stehen Guttenberg doch skeptischer gegenüber als bei seinerm Rücktritt, weil er keinerlei Einsicht zeigt. Und die CSU freut sich auch nicht sonderlich, nachdem sie seine abwertenden Äußerungen bemerkt hat.
    Also nennt doch mal ein paar Beispiele, ich sehe schwarz für KT, wenn er nicht eine eigene Partei gründen wird. Dann hat er vielleicht Chancen bei einigen in der Bevölkerung, aber die etablierten Medien werden ihm dann mit allergrößtem Mißtrauen entgegentreten. Das ist jedenfalls mein Eindruck, nachdem ich eine Menge Artikel zum Thema durchgelesen habe. Aber ich bin gespannt, auf Gegenbeispiele. Her damit.

    Dieter

    • TheRealStories schreibt:

      Mir sind beim Spiegel vor allem diese beiden Artikel ins Auge gefallen, bei denen auch die Bilder eine deutliche Sprache sprechen, wie ich finde.

      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,798824,00.html
      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,799457,00.html

      Sicherlich schreibt der SPIEGEL nicht so euphorisch die ZEIT und BILD, aber trotzdem fand ich diese beiden Artikel erwähnenswert.

      • Dieter W. schreibt:

        Was ist denn an den beiden Fotos bedenklich? Fehlen die Vampirzähne? Oder hätte der SPIEGEL ein unvorteilhafteres nehmen sollen? Ohne Lächeln? Wäre das “objektiv”?

        Der eine Bericht handelt von Guttenbergs Vortrag in Kanada, der sein erster öffentlicher Auftritt seit langem war. Das ist von Interesse und damit möglicher Gegenstand der Berichterstattung. Wo ist das Problem? Der andere dreht sich um die Einstellung des Verfahrens gegen zu Guttenberg. Hier gilt das gleiche.

        Diesen beiden Artikeln stehen satirische Artikel und ablehnende Artikel gegenüber, die von allergrößter Skepsis gegenüber zu Guttenberg zeugen. Deine Betrachtung des SPIEGEL halte ich für an den Haaren herbeigezogen und nur haltbar, wenn man auf einer hermetischen Weltsicht besteht.

        Es gibt anscheinend mehr Menschen als mir lieb ist, die zu Guttenberg so wie er ist wiederhaben wollen. Ein Prachtexemplar dieser Gattung saß gestern in der Sendung von Anne Will (die Bäckereiverkäuferin). Das ist bitter, aber mein Menschenbild wird dadurch weniger erschüttert als deins, glaube ich.

        Die Einwände von Friederike Beck gegen KTG halte ich noch für halbwegs bedenkenswert. Wenn ich mir dann aber anschaue, in welchem Verlag sie ihr Buch veröffentlicht und was da sonst noch im Programm ist, dann ändere ich meine Ansicht umgehend.

        Ich brauche keine Verschwörungstheorien, um zu erklären, warum ich zu Guttenberg vorerst nicht in der Politik sehen will. Dafür reicht mir seine narzisstische Persönlichkeit, die die Folgen seines Fehlverhaltens nicht sehen will, vollkommen aus.

        Dieter

  6. kneipier schreibt:

    Der Mann ist brandgefählich für unser Land.

    Er wird wieder platziert.

    Er ist ein Satrap der Besatzer und fühlt sich ausschliesslich den Transatlantikern verpflNicht umsonst wurde er mit 30 Lebensjahren in den Auswärtigen Ausschuss berufen.
    Alle Entscheidungen alsMinister schadeten dem Land und verwirklichte die Interessen Anderer.

    Das wahre Ausmass seines auf Hochverrat ausgerichteten Handelns ist dokumentiert im

    http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/230-das-guttenberg-dossier-teil-1.html

    Von der Seite wird am Ende auf den Teil II verlinkt.

    Von dieser Seite wird die Weiterverbreitung gewünscht.

  7. Presto schreibt:

    Die Blätter Spiegel, Zeit und auch Bild….es könnten auch andere Blättchen sein, sie alle haben eine Agenda. Meinungen werden gemacht, selber denken und sich hinterfragen, für was eine Person da einsteht – Fehlanzeige. Je mehr ich dieses Land verstehen will, desto mehr muß ich feststellen, es ist alles sehr unmoralisch und jenseits der Gesetze, die eigentlich alle Menschen dieses Landes betreffen. Bist du oben, besitzt ein Amt und gute Kontakte, dann wird dir in allen Lagen des Lebens geholfen, egal, ob du lügst, blendest oder hinterziehst. Aber dem einfachen Bürgern, die rechtschaffend sich an die Regeln halten, denen droht stets Ungemach (… ), wie man es aus vergangenen Epochen gewohnt ist. Ich meine, wir müssen uns stärker gegen solche Strömungen wehren und mit mehr Engagement denen die Stirn bieten, die uns ausbeuten und uns ihr Diktat und ihre Macht aufdrücken wollen. Wir lassen uns einfach zuviel gefallen.

  8. rugay schreibt:

    Ganz egal wie brandaktuell und vorhersehbar “Guttis” Rückkehr auch ist.. Der mediale Mummpitz der um “unseren” hübschen Neo-Ludwig veranstaltete wurde -insbesondere um seine unfreiwillige Rückkehr in den Starnberger See, wird bei einer bestimmten Stamm- und Neolib-Spontiklientel sicherlich seine Wirkung gezeigt haben – ich erinnere gerne nochmal an die selten schmierige Abschiedsrede im Bendlerblock (allein das schon Grund genug dem Mann – sollte er tatsächlich wieder auftauchen-direkt mit einem Betonklotz an den Füßen auf Nimmerwiedersehen zu winken).
    Ich hoffe inständig , dass das übliche mediale Ablenkungs-Trommelfeuer nicht des Volkes Gedächtnisleistung und wichtige synaptische Verbindungen dauerhaft geschädigt hat.
    Die Zeit für “Schwamm drüber” ist in so vielen öffentlichen und nicht-öffentlichen Bereichen unserer Existenz aber sowas von vorbei….wirklich, wir haben keine Zeit mehr und keine Energie mehr übrig fürs ewige Machtkaschperltheater der “Schwachkopf-BRD-GmbH & Consorten” ….sollten wir zumindest nicht…..;)

  9. General-Investigation schreibt:

    @ Europium

    Du scheinst wohl nicht ganz verstanden zu haben das es hier um eine grundsätzliche Entscheidung geht, es einen Straftatbestand gab/gibt und dieser durch eine Absprache der Staatsanwaltschaft und des zuständigen Richters auf diese für Baron Münchhausen lächerlichen 20.000 € reduziert wurde, was letztendlich nicht einmal eine Geldstrafe ist, die sonst in Tagessätzen ausgedrückt wird und bei mehr als 90 Tagessätzen automatisch zu einer Vorstrafe führt. Geht man zusätzlich dabei und berücksichtigt ein Vermögen von geschätzten 600 Millionen Euro (2009), ist das ganze nicht mehr als Kaffeekasse.
    Da passt etwas nicht, denn jeder andere hätte garantiert die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen.
    Gutenberg ist ein arrogantes und selbst-verliebtes XXXXXXXXX, das nach den allgemein gültigen Regeln wie sie für jeden anderen normalen Mitmenschen sonst auch gelten, nicht einmal als Hausmeister einer Schule arbeiten dürfte, weil man mit derartigen “Vorkenntnissen” nicht mehr im öffentlichen Dienst genommen wird.
    Aber der geölte Herr Schmierhaar ist natürlich über alles erhaben, schließlich hat er einen Namen.

    Das andere Politiker Tag für Tag Dinge machen, die absolut nicht in Ordnung sind, hat nichts mit Gutenberg und seiner Betrügerei zu tun und es hat auch nichts damit zu tun, das die Justiz nun wieder einmal zweierlei maß anwendet.
    Diese Dinge solltest du schön voneinander trennen, denn wenn alle so denken würden wie Du, haben wir diesen widerlichen Schmierlappen bald als Kanzler – immerhin ist er ja symphatisch.
    Eine doch sehr seltsame Moral mein Lieber, eine sehr seltsame Moral.

  10. Electionclerk schreibt:

    Leider ist er ganz im Gegenteil nach dem, was er alles auf dem Kerbholz hat, sogar der ideale Politschranze. Die Global-Macchiavellisten brauchen alles, aber keine Unschuld vom Lande. Das der Typ einfach nur zum Kotzen ist, steht außer Frage, interessiert aber niemanden, denn er wird inthronisiert und dann brav im Sinne der Hinterzimmerdiktatoren funktionieren. Darüber sollten sich die Wähler im klaren sein und sich entsprechend deutlich verhalten und dieser ekelhaften Marionette-sollte sie dann zur Wahl stehen-die Zustimmung deutlich verweigern.

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